Trotz der anspruchsvollen Tage in der aktuellen Phase der Saison ließ es sich Jonathan Tah nicht nehmen, persönlich an dem Workshop am Lise-Meitner-Gymnasium teilzunehmen. Dem 28-Jährigen liegt die Aufklärung zu diesem Thema sehr am Herzen. „Ich werde eine Begegnung mit Rassismus aus meiner Jugendzeit nie vergessen. Wir hatten damals einige dunkelhäutige Spieler in unserer Mannschaft und bei einem Auswärtsspiel haben die Zuschauer immer wieder Affengeräusche gemacht, wenn einer von ihnen am Ball war oder den Ball geholt hat“, so Tah über seine ersten Erfahrungen. Vergangenheit sind solche Ereignisse aber nicht, wie der Leistungsträger der Werkself weiter erklärte: „Leider gibt es auch heute noch immer wieder Fälle dieser Art. Umso wichtiger ist es, darüber zu sprechen. Es müssen sich so viele Leute wie möglich dafür einsetzen, diesen Menschen und Äußerungen keinen Raum zu geben. Wenn wir alle zusammenstehen, können wir viel bewegen.“
Das Interesse der Schülerinnen und Schüler an den interaktiven Übungen des Workshops war groß –auch aus persönlichen Gründen: Fast die Hälfte der Gruppe gab zu, selbst schon einmal Opfer von Rassismus oder Diskriminierung gewesen zu sein oder Äußerungen dieser Art miterlebt zu haben.
„Ein Mitspieler von mir wurde bei einem Fußballspiel von einem Zuschauer als ‚scheiß Ausländer‘ beschimpft. Das war ein sehr unangenehmes Gefühl. Aber wir haben ihm alle beigestanden in der Situation und ihm so gut es ging geholfen“, schilderte der 15-jährige Juan, der mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern im Wahlpflichtfach „Bewegung, Gesundheit und Gesellschaft (BGG)“ unter anderem die gesellschaftlichen Komponenten des Sports behandelt.
Neben Juan und einigen weiteren Schülerinnen und Schülern aus dem Wahlpflichtfach „BGG“ nahm auch ein Teil der Schul-AG „Sporthelfer“ an dem Workshop mit Jonathan Tah teil. In dieser freiwilligen AG war der Rassismus im Sport ebenfalls schon Thema. „Es war sehr interessant zu hören, wie ein erfolgreicher und gestandener Fußballprofi mit dem Thema Rassismus umgeht“, fand die 17-jährige Oumaima, die selbst einen multikulturellen Freundeskreis hat. „Man konnte viel Neues mitnehmen aus dem Workshop. Ein solcher Austausch ist sehr wichtig.“
Am Ende hatten die Schülerinnen und Schüler dann natürlich auch noch die Gelegenheit, Autogramme und Selfies von und mit dem deutschen Nationalspieler abzugreifen. Viele von ihnen waren extra in ihren Bayer 04-Trikots zur Schule gekommen – und das nicht zum ersten Mal. Lehrer Tim Ortelbach: „Ob die Schüler, die Kollegen oder unser Hausmeister – wir fiebern hier alle voll mit der Werkself mit! Am Tag nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft hat unser Schulleiter morgens statt des Gongs die Bayer 04-Hymne über die Schul-Lautsprecher gespielt.“
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